Forschungsinteressen
Aktuelles
Projekt
Kurzbiographie
Publikationen und Vorträge
Lehrveranstaltungen
Wissenschaftliches Profil
Denkwürdiges (Privatdoz.)
Downloads
Kontakt
Datenschutzerklärung


Postkoloniale Erzählungen in kolonialer Zeit- Histórias do Zaire von Alexandre Cabral in: Interkulturelle Polyphonie: der Einbezug von Stimmen und Motiven anderer Sprachen und Kulturen in die Literaturen der portugiesisch­sprachigen Welt und Galiciens (Axel Schönberger und Rosa Maria Sequeira)

Erzählen von Geschichte in dürftiger Zeit - Historische Romane in Moderne und Postmoderne in: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte 2018/19.

Beitrag zur Rolle der Kulturwissenschaft in der Romanistik, zur Veröffentlichung in Lendemains vorgesehen.

"Wenn das Land zum Schiff wird – Die Metaphorik Portugals als endlose Reise über die Weltmeere",  Beitrag zum Band Portugiesische Identitäten – Positionen und Visionen -  Identidades e imagens – posições e visões.

Desto tiefgreifender die Wirtschaftskrise den Süden Europas erfasst, desto stärker scheint die einst so sicher geglaubte geopolitische Bestimmung Portugals im vereinten Europa selbst in Zweifel zu geraten. Die Lage des Landes zwischen den Kontinenten, wie sie aus einer fünfhundertjährigen imperialen Geschichte erwachsen und in der Rechtsdiktatur Salazars immer wieder beschworen worden war, rückt wieder in das Bewusstsein der Zeitgenossen. Die territoriale Zugehörigkeit Portugals zum alten Kontinent selbst lässt sich zwar nicht bestreiten, doch die Nachbarschaft zum afrikanischen Kontinent und die kulturelle Nähe zu Lateinamerika ebenso wenig. Dieser ambivalente Status des Landes kehrt in dem Maße wieder, wie sich die europäische Option verflüchtigt und es Ströme portugiesischer Migranten in die ehemaligen Kolonien zieht. Die Bilder scheinen sich umzukehren, Erinnerungen an jene retornados kommen auf, die es nach der zunächst vertagten und dann überstürzten Unabhängigkeit der ehemaligen Überseeterritorien in das Mutterland zurückzog. Aber auch erinnert man sich vielleicht an den alten Gegensatz zwischen Stadt und Land, den verarmte Bauern und Landarbeiter seit der frühen Neuzeit zu überwinden hatten, um nach Übersee auszuwandern.

Dass die Richtungen der Wanderungsbewegungen besonders seit dem 20. Jahrhundert immer wieder wechseln, lässt Portugal nicht wie ein Festland erscheinen, das man nach Schifffahrt betritt. Das Land nimmt sich selbst wie ein Schiff aus, ein steinernes Floss, das sich wie in dem gleichnamigen Roman von José Saramago (1986) vom europäischen Festland losreißt, um sich hernach in Bewegung zu setzen: Zunächst befindet es sich auf dem Weg nach Lateinamerika, dann nach Afrika. Doch tun sich dabei aber auch Widersprüche auf, die sich bereits seit Beginn des 20. Jahrhundert aus der Kollision eines idyllisch-bukolischen rückwärtsgewandten Lebensgefühls (Saudosismo, Neo-garrettismo) und einer aggressiven nationalistischen Ideologie (Integralismo Lusitano) ergaben. 

Mein Beitrag macht es sich zur Aufgabe, diese Metaphorik eines sich in ständiger Bewegung befindlichen Bewusstseins aufzugreifen und, soweit dies in dem gegebenen Rahmen möglich ist, auch ihrer Vorgeschichte anhand einiger Beispiele in Kultur und Literatur nachzugehen. 

The Congo is Within Us. Inner Landscapes with Poetical Expressions and Political Effects in Albert Sánchez Piñol's 'Pandora al Congo

The Congo, with its vast tropical forests and gloomy landscapes, became the symbol of African topography due to the immense adventure and travel literature that enjoyed increasing popularity since the last third of the 19th century, helping to form the structures of European imagination in the epoch of colonialism. European modernity, in which solid administrations and more or less established borders of nation states defined the norms of individual behavior, left no place for the type of chivalrous adventures poeticized in the medieval epics and novels of the early modern age. This exciting spirit could only find expression on a continent where the European hero takes up his perceived right to suppress chaos by establishing his own order.

These are the historical and poetical conditions addressed through the use of strong metafictional elements in the novel Pandora al Congo (2005) by contemporary Catalan author Albert Sánchez Piñol. Beginning as a draft of a shabby colonial popular novel enjoyed by the youth of the emergent colonial empires, this postmodern pastiche covers a colonial perception of reality, distorting the skeptical view of the enlightened and critical observer. Anything that resists European common sense seems possible in the Congo, where civilized people defend mankind at a bloody border between culture and barbarism. Thus, the murderer, Garvey, who is presumed to be a reliable eye-witness, succeeds in freeing himself from any wrongdoing and is even celebrated as a Savior of mankind. Ultimately, he opens Pandora's Box to unleash the demons of prejudice and superstition.

On the eve of the First World War, even the vision of a living subterrestrial people who are about to make an assault on humanity appears conceivable. By weaving tropical landscapes with the magic of a fascinating and gruesome world, the novel puts Western views of Africa and the Congo on trial; one which has until now by no means lost its validity.