Forschungsinteressen
Aktuelles
Projekt
Kurzbiographie
Publikationen und Vorträge
Lehrveranstaltungen
Wissenschaftliches Profil
Denkwürdiges (Privatdoz.)
Downloads
Kontakt


'Paris Calling: Common and Uncommon Experiences of Latin American and African Diasporas' in: Call - Irish Journal for Culture, Arts, Literature and Language(Hg. Sascha Harris u.a.) Dublin.
http://arrow.dit.ie/cgi/viewcontent.cgi?article=1016&context=priamls

Common and uncommon – these incommensurate words suggest different references and places. As an important hub of migration, Paris attracts people from everywhere, above all from Africa. In our approach, we attempt to examine how a common urban ground might generate uncommon experiences for migrants: one arriving from Cuba with a traumatic past and the other shocked because his love has abandoned him. While the young Cuban narrator is able to find her way back to the roots of her childhood, her Congolese counterpart has no hope of restoring the links to a home which has largely been deserted. These two case studies not only illustrate various starting conditions, they also imply different kinds of migrations (one stricken by nostalgia for a paradise lost, the other engaged in inventing a continent that transcends its African contours) and different kinds of memories (overcoming trauma on the one hand, and producing prejudices on the other) – common and uncommon.


"Vom historischen Realismus zur historischen Fiktion. Entwicklungszüge des historischen Romans zwischen Sir Walter Scott und José Saramago" in: Fakten und Fiktion in der europäischen Romanliteratur im 20. Jh. Hrsg. Gertrud M. Rösch.

Donner au mot une nouvelle forme de la Négritude. Die Erneuerung der Negritude bei Célestin Monga" in: Negritude und Négrismo. Hg. von Gisela Febel und Natascha Ueckmann, Springer 2016/17.
 
Seit den 1930er Jahren hatte sich die Negritude-Bewegung angeschickt, den afrikanischen Menschen eine kulturelle Würde zurückzugeben, die dieser nach einer Jahrhunderte währenden europäischen Kolonialisierung verloren zu haben glaubte. Vom Zentrum des Mutterlands waren Intellektuelle aus Afrika bzw. den Antillen (Aimé Césaire, Léopold S. Senghor) der Frage nachgegangen, welchen Anteil die Afrikaner an einer von Weißen beherrschten Welt überhaupt einnehmen können und wie sich ihr Selbst gegenüber deren Dominanz zu verhalten hätte. Der Erfahrung kolonialer Unterdrückung und Ausbeutung war die Einsicht gefolgt, dass der kollektiven Persönlichkeit schwarzer Menschen eine unbedingte Dignität zuteilwerden müsse, die sich in den Worten Senghors zu einem schwarzen Orpheus verdichtet. Doch auch die postkoloniale Phase der Unabhängigkeit, die die afrikanischen Nationen seit mehr als fünfzig Jahre erleben, schreibt eine neue Geschichte, die es nicht mehr angemessen erscheinen lässt, die eigene Identität aus der bloßen Abgrenzung zum weißen Mann abzuleiten. Ebenso wenig ist es noch erlaubt, die eigenen Defizite dem Erbe des Kolonialismus anzulasten. In seiner Arbeit Nihilisme et Négritude (2009) unternimmt es der Ökonom und ehemalige Weltbankangehörige Célestin Monga, den in die Jahre gekommenen Begriff der Negritude so zu definieren, dass deren Ideale augenfällig mit den Nachlässigkeiten, der Arroganz, Dummheit und Selbstgerechtigkeit der politischen Führer Afrikas in Kontrast treten, wie sie für den oppositionellen Autor selbst in seinem Heimatland Kamerun erfahrbar wurden. Das alte Konzept war in den letzten fünf Jahrzehnten aus seiner Sicht ebenso wenig dazu angetan gewesen, die Abspaltung des Kontinents von der Weltgemeinschaft wie seine Missachtung in deren Bewusstsein abzuwehren, obschon es doch eben diese Ziele impliziert hatte. Mein Beitrag wird es sich zur Aufgabe machen, den Negritude-Begriff in seiner epistemologischen Neubegründung, wie sie von Monga vorgenommen wird, im Verhältnis zu seiner Tradition zu erörtern und Modalitäten seiner neuen Erkenntnis auszuloten.

Beitrag zur Rolle der Kulturwissenschaft in der Romanistik, zur Veröffentlichung in Lendemains 2016/17 vorgesehen.

« Sempre em viagem: naçõesdeslizantes como formas do pensamento no romance ‘Nação Crioula’ de JoséEduardo Agualusa » em: Identidades em Movimento. Construçõesidentitárias na África de língua portuguesa e reflexos no Brasil e em Portugal (Ed. Doris Wieser, Enrique Rodrigues-Moura) Frankfurt/Main: TFM BIBLIOTECA LUSO-BRASILEIRA) 2015.  (inzwischen erschienen)
Gegenüber dem umfangreichen Erzählwerk José E. Agualusas (*1960) darf des 1997 erschienene Roman Nação Crioula als erster des angolanischen Autors gelten, der sich dank seiner zahlreichen Übersetzungen einer besonders breiten Rezeption erfreut. Historischer Hintergrund ist das portugiesische Kolonialreich, das sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im fortgeschrittenen Niedergang befindet. In der literarischen Figur des Fradique Mendes, die Eça de Queirós im Zuge seines cenáculo komponiert hatte, kehrt der Protagonist im doppelten Sinne als Reisender in die Literatur zurück, als Zeitgenosse, der im transkontinentalen Raum zwischen Angola, Brasilien und Portugal vagabundiert und zugleich aber auch als geistiger Nomade, der einen festen Standort scheut und gedankliche Beweglichkeit sucht. Diese Motorik in Raum und Zeit zeigt sich in dem vom impliziten Autor gewählten Genre des Briefromans, mit dem der Korrespondent vor einem Lesepublikum seine Ansichten wie auf einer offenen Bühne austauscht. Anders als spätere Apologeten glauben machen wollen, verfügt das portugiesische Imperium nicht über eine Ideologie, die es als geschlossenen und homogenen Kosmos deuten könnte. Vielmehr lässt sich dem epistologischen Gattungsschema entnehmen, dass sich Leser wie Figuren in einem unabgeschlossenen Prozess der Vereinzelung befinden, der durch die gemeinsame Chiffre der Schrift aufgefangen wird. In dem sich zwischen den Kontinenten hin und her bewegenden Fradique Mendes wird die Singularität von Schreibenden metaphorisiert, die zumal über weite Entfernungen „nur noch auf dem Umweg über die Medien ansprechbar" (Koschorke) sind. Da diese nicht mehr auf ein geschlossenes Weltbild zurückblicken können, das ihnen und den Lesern noch eine feste Orientierung wäre, sehen sie sich veranlasst, aus den eigenen Reflexionen zu schöpfen. Obschon Fradique Mendes seine Gedanken mit seinen Adressaten austauscht, bleibt als Antwort nur ein Vakuum. Der Leser selbst hat diesen Platz dieser Leerstellen einzunehmen, um seine Position gegenüber den Einschätzungen des skeptischen Portugiesen aus der Metropole zu artikulieren.

Dessen Gedanken kreisen um Herkunft und Zukunft des früheren wie jüngeren portugiesischen Kolonialreichs, das über Kontinente verteilt, nicht so sehr die Spuren der Metropole zeigt, sondern vielmehr die Vermischungen der Rassen und Kontinente. Fradrique Mendes fährt auf dem letzten Sklavenschiff Nação Crioula mit Sklavenhändlern und Abolitionisten von Angola nach Brasilien. Dieser metaphorische Name steht aber für alle Nationen, die sich aus der seltsamen kolonialen Hinterlassenschaften Portugals gebildet haben. Als hybride Konstrukte räumen sie mit dem fatalen Missverständnis eines bürgerlichen Zeitalters auf, dass Nationen das Epos eines unverwechselbaren und authentischen Volksgeistes oder wohl gar, wie dies eine besonders todbringende Deutung nahelegt, Ausdruck eines unvermischt reinen Bluts seien. Entgegen dieser historisch überlebten Sicht sind Nationen von jeher Kompositionen von Differenzen gewesen, die, um eine bekannte Einsicht von Benedict Anderson zu bemühen, allein auf Bildern, Symbolen und anderen Zeichen des kulturellen Gedächtnisses beruhen. Analog zum Aufstieg des Briefromans belegen diese Einbildungsstrukturen, dass die Nation gerade auf größere überregionale Zusammenhänge bedacht ist, das Disperse in der Schrift verbindet und damit Internationalität wie Transkontinentalität vorausahnt. Nicht umsonst entdeckt Goethe im nationalen Zeitalter die Weltliteratur, Hegel den Weltgeist und Marx das Weltproletariat. Im lusitanischen Kosmos vollziehen sich diese Momente der Nationenbildung, die die Entstehung einer kosmopolitisch denkenden Welt begleiten, nicht aus den Bedingungen einer Höchstentwicklung, wie sie zum Zeitpunkt der Romanhandlung das westliche Europa bestimmen. Vielmehr kündigt sich hier paradoxerweise schon ein Vermächtnis postkolonialen Denkens an, dass es kein eigentliches Zentrum als Normierungsinstanz mehr gibt und Metropole wie Peripherie nicht durch eine quasi undurchlässige Grenze voneinander getrennt sind. Die Unterentwicklung der Kolonien in Afrika wie des früheren Imperiums am Amazonas lässt die Kolonien in ihrer vermeintlichen Wildheit an jenes portugiesische Stück Afrika auf dem europäischen Festland heranreichen und mit diesem eins werden, so dass nach Mendes Fradique selbst ein Bantuhäuptling zum Gouverneur in Lissabon werden könnte. Ausgehend vom Roman Agualusas macht es sich dieser Beitrag zur Aufgabe, die Frage eines in sich unabgeschlossenen Verständnisses von Nation auch unter Einschluss weiterer Beispiele aus den zeitgenössischen lusophonen Literaturen (Saramago, Sousa Tavares u.a.) zu vertiefen.
Dieser Beitrag ist deutschsprachigen Lesern inzwischen auch in deutscher Sprache zugänglich.


"Wenn das Land zum Schiff wird – Die Metaphorik Portugals als endlose Reise über die Weltmeere",  Beitrag zum Band Portugiesische Identitäten – Positionen und Visionen -  Identidades e imagens – posições e visões,  2015/16

Desto tiefgreifender die Wirtschaftskrise den Süden Europas erfasst, desto stärker scheint die einst so sicher geglaubte geopolitische Bestimmung Portugals im vereinten Europa selbst in Zweifel zu geraten. Die Lage des Landes zwischen den Kontinenten, wie sie aus einer fünfhundertjährigen imperialen Geschichte erwachsen und in der Rechtsdiktatur Salazars immer wieder beschworen worden war, rückt wieder in das Bewusstsein der Zeitgenossen. Die territoriale Zugehörigkeit Portugals zum alten Kontinent selbst lässt sich zwar nicht bestreiten, doch die Nachbarschaft zum afrikanischen Kontinent und die kulturelle Nähe zu Lateinamerika ebenso wenig. Dieser ambivalente Status des Landes kehrt in dem Maße wieder, wie sich die europäische Option verflüchtigt und es Ströme portugiesischer Migranten in die ehemaligen Kolonien zieht. Die Bilder scheinen sich umzukehren, Erinnerungen an jene retornados kommen auf, die es nach der zunächst vertagten und dann überstürzten Unabhängigkeit der ehemaligen Überseeterritorien in das Mutterland zurückzog. Aber auch erinnert man sich vielleicht an den alten Gegensatz zwischen Stadt und Land, den verarmte Bauern und Landarbeiter seit der frühen Neuzeit zu überwinden hatten, um nach Übersee auszuwandern.

Dass die Richtungen der Wanderungsbewegungen besonders seit dem 20. Jahrhundert immer wieder wechseln, lässt Portugal nicht wie ein Festland erscheinen, das man nach Schifffahrt betritt. Das Land nimmt sich selbst wie ein Schiff aus, ein steinernes Floss, das sich wie in dem gleichnamigen Roman von José Saramago (1986) vom europäischen Festland losreißt, um sich hernach in Bewegung zu setzen: Zunächst befindet es sich auf dem Weg nach Lateinamerika, dann nach Afrika. Doch tun sich dabei aber auch Widersprüche auf, die sich bereits seit Beginn des 20. Jahrhundert aus der Kollision eines idyllisch-bukolischen rückwärtsgewandten Lebensgefühls (Saudosismo, Neo-garrettismo) und einer aggressiven nationalistischen Ideologie (Integralismo Lusitano) ergaben. 

Mein Beitrag macht es sich zur Aufgabe, diese Metaphorik eines sich in ständiger Bewegung befindlichen Bewusstseins aufzugreifen und, soweit dies in dem gegebenen Rahmen möglich ist, auch ihrer Vorgeschichte anhand einiger Beispiele in Kultur und Literatur nachzugehen. 

The Congo is Within Us. Inner Landscapes with Poetical Expressions and Political Effects in Albert Sánchez Piñol's 'Pandora al Congo

The Congo, with its vast tropical forests and gloomy landscapes, became the symbol of African topography due to the immense adventure and travel literature that enjoyed increasing popularity since the last third of the 19th century, helping to form the structures of European imagination in the epoch of colonialism. European modernity, in which solid administrations and more or less established borders of nation states defined the norms of individual behavior, left no place for the type of chivalrous adventures poeticized in the medieval epics and novels of the early modern age. This exciting spirit could only find expression on a continent where the European hero takes up his perceived right to suppress chaos by establishing his own order.

These are the historical and poetical conditions addressed through the use of strong metafictional elements in the novel Pandora al Congo (2005) by contemporary Catalan author Albert Sánchez Piñol. Beginning as a draft of a shabby colonial popular novel enjoyed by the youth of the emergent colonial empires, this postmodern pastiche covers a colonial perception of reality, distorting the skeptical view of the enlightened and critical observer. Anything that resists European common sense seems possible in the Congo, where civilized people defend mankind at a bloody border between culture and barbarism. Thus, the murderer, Garvey, who is presumed to be a reliable eye-witness, succeeds in freeing himself from any wrongdoing and is even celebrated as a Savior of mankind. Ultimately, he opens Pandora's Box to unleash the demons of prejudice and superstition.

On the eve of the First World War, even the vision of a living subterrestrial people who are about to make an assault on humanity appears conceivable. By weaving tropical landscapes with the magic of a fascinating and gruesome world, the novel puts Western views of Africa and the Congo on trial; one which has until now by no means lost its validity.